War der Entscheid richtig? Und gibt es überhaupt einen Markt für Reisebegleiter ausserhalb der Tourismusbranche? Diese Fragen stelle ich mir selbst, ein Jahr nachdem ich als Reisebegleiter in der digitalen Business Transformation gestartet bin.
Von aussen höre ich oft: «Wie wird ein Reisebegleiter wirksam?» Meistens von Geschäftsführer:innen, die schon einmal enttäuscht wurden von Beratern mit Strategiepapieren, die nie im Tagesgeschäft ankamen. Zu Recht, denn «Beratung» ist ein Wort, das viel verspricht und wenig konkret macht. Nach zwölf Monaten lohnt sich deshalb ein Rückblick. Nicht auf Strategiepapiere, sondern auf das, was Wirkung erzielt hat.
Zwölf Monate, ein wiederkehrendes Muster
Ob Gesundheitswesen, IT-Dienstleistung oder B2B-Handel: Die Ausgangslage war fast immer dieselbe. Eine Organisation spürt, dass sich etwas ändern muss, weiss aber nicht genau, wo sie anfangen soll. Mal ging es darum, bei einem grossen IT-Dienstleister das Mindset im Vertrieb zu verändern, den Angebotsprozess neu aufzusetzen und Innovationsarbeit nach Lean-Startup-Prinzipien zu verankern. Mal ein kleines Unternehmen im Gesundheitswesen, das eine IT-Strategie brauchte, aber keine eigene IT-Abteilung hatte. Mal ein B2B-Handelsunternehmen, das eine Unternehmensarchitektur brauchte, aber noch keine Organisation von der Geschäftsleitung bis zu den IT-Themen. Die Antworten waren jedes Mal unterschiedlich. Die Methodik dahinter war es nicht.
Reisebegleitung auf zwei Ebenen
Was in den Themen und Zahlen leicht untergeht: Reisebegleitung findet nie nur auf einer Ebene statt. Auf Stufe der Geschäftsführung geht es um strategische Weitsicht, in kürzeren Zyklen als einer Jahresplanung und klar sichtbaren Ergebnissen. So werden Entscheidungen nicht aus dem Bauch getroffen, sondern auf einer nachvollziehbaren Grundlage. Im Kern geht es um Befähigung zur eigenen Entscheidungsfähigkeit, nicht um Abhängigkeit von einer externen Meinung.
Heruntergebrochen wird diese Weitsicht auf monatliche Sprints mit Mitarbeitenden und externen Dienstleistenden. Genau dort wird aus einer Strategie ein konkretes Ergebnis und eine spürbare Veränderung im Alltag. Beide Ebenen brauchen sich gegenseitig. Ohne die strategische Klarheit oben verlieren sich die Sprints unten im Klein-Klein. Ohne die monatliche Umsetzung unten bleibt die Strategie oben nur ein Papier. Dazwischen der Reisebegleiter als „Klebstoff“.
Was sich über alle Projekte bewährt hat
Vier Muster sind sichtbar geworden, egal in welcher Branche.
Governance zuerst, nicht zuletzt. Ob Sicherheitsframework für ein KMU oder ISO-27001-Vorbereitung mit automatisierten Tools: Organisationen, die Governance früh mitdenken, bewegen sich am Ende schneller, nicht langsamer. (Weil Autos auch gute Bremsen brauchen zum schnell Fahren)
Der Mensch entscheidet über den Erfolg, nicht das Tool. Auch wenn es zunächst aufwändiger erscheint – ging es monatelang weniger um neue Software als um neue Rollenprofile, Kommunikationswege und Vertrauen zwischen Teams.
Kleine Schritte schlagen grosse Konzepte. Eine Digitalisierungs- und KI-Journey für einen Industriezulieferer begann nicht mit einer grossen KI-Strategie auf Papier. Sie begann mit konkreten Quick Wins und einem Veränderungsprogramm für die ganze Belegschaft.
Aus Time & Material wird Reisebegleitung. Die ersten Mandate starteten praktisch immer im Modell Time & Material: Aufwand nach Bedarf, ohne festen Rahmen. Bei zwei der ersten Projekte hat sich das bereits nach drei bis sechs Monaten gewandelt, in eine monatliche Festpreisvereinbarung. Der Rhythmus ist fix, der monatliche Betrag ist fix. Die Themen bleiben flexibel und richten sich jeweils nach den aktuellen Prioritäten des Kunden. Agil, kundenzentriert, wirksam: Das ist für uns der Reifegrad, den eine Zusammenarbeit erreicht, wenn Vertrauen entstanden ist.
Und was noch nicht fertig ist
Nicht alles lässt sich nach zwölf Monaten sauber verpacken. Eine Weiterbildung zum Thema «Souveräne Führung im Zeitalter von Digitalisierung und KI» ist erst am Entstehen. Ein Ausschreibungsprozess für eine neue Netzwerk-/Sicherheitsarchitektur läuft noch. Und in einem neuen Austauschformat für Pflegeorganisationen in der Ostschweiz zeigt sich gerade erst, wie viel Klärungsbedarf zum Thema KI und Governance auch ausserhalb der klassischen Unternehmenswelt besteht.
Fazit
Der grösste Unterschied zwischen einem Jahr mit und einem Jahr ohne Reisebegleitung liegt selten in einer einzelnen Entscheidung. Er liegt darin, dass jemand mitgeht, der die Fragen stellt, die sonst liegen bleiben. Und dabei bleibt, bis aus einer Idee ein tragfähiges Fundament wird. Zitat: Die Stringenz im Abgleich mit dem Fahrplan und die Flexibilität zur Änderung der Reiseroute je nach Lernfortschritt und Grosswetterlage.
Nach zwölf Monaten bleibt vor allem eine Erkenntnis: Der Reisebegleiter-Ansatz war genau richtig. Nicht weil er von Anfang an fertig war, sondern weil er sich in der Praxis, Woche für Woche, immer wieder bestätigt hat. Genau das ist Think-First: nicht schneller in die Technologie springen, sondern zuerst klar sehen, wohin die Reise führen soll.

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